Wespenbekämpfung - immer nötig? 

 
In Höxter übernimmt die Feuerwehr die Wespenbekämpfung nur bei Gefahr in Verzug! Beispiele hierfür wären Wespennester in Versammlungstätten, Kindergärten, Schulen, Altenheimen, Krankenhäusern oder teilweise in Wohnhäusern. Für weitere Auskünfte oder Beratungen rufen Sie auf der Feuer- und Rettungswache in Höxter an unter der Telefonnummer 05271/9633999. In anderen Orten wenden Sie sich bitte an das zuständige Ordnungsamt.
 
 
Wespengruppe der Feuerwehr Höxter im Sommer 2011:
Burkhard Löseke (Obmann), Jürgen Heidrich, Thomas Kube, Uwe Hütte und Thomas Mann
 
 
 WDR-Bericht über die Wespenplage im Sommer und Herbst 2011 
 

 
Wespenfreunde sind kaum zu finden. Überall wo die gelbschwarzen Hautflügler in der Nähe von Menschen auftauchen, stuft man sie pauschal und ohne Unterschiede zu machen als "aggressiv" und "gefährlich" ein. Gar wahre Horrorgeschichten erzählt man sich von den Hornissen, die größte Unterart der Wespen. Angeblich sollen sieben Stiche ein Pferd und schon drei einen Menschen töten können, dabei ist in Wirklichkeit ein Stich von einer Hornisse nicht schmerzhafter und gefährlicher wie der einer Wespe. Kein Wunder also, wenn alljährlich zur "Bienen- und Wespenzeit" das Notruftelefon der Feuerwehr nicht mehr stillsteht. Der hilfesuchende, oft sich bedroht fühlende Stadtbürger ist zumeist nicht in der Lage, Bienen, Wespen oder Hornissen zu unterscheiden, und erwartet von seiner Feuerwehr "als Helfer in allen Notlagen", dass ihm mit sachkundigen, geeigneten Maßnahmen Abhilfe geschaffen wird. Die großen Mengen Insektizide, die als rasche "Abhilfe" zumeist noch versprüht werden und so zu einer Umweltbelastung beitragen, können von der Natur, je nach Art des Giftes, erst nach Monaten, ja sogar oft nach Jahren erst abgebaut werden. Und wer sieht schon das Rotkehlchen, das im Gebüsch mit dem Tode ringt, weil es einige kontaminierte Wespen aufgefressen hat. 
 
 
Wespennenst am Freizeitsee Höxter unter einem Spielgerät gefunden
Weil die Gefahr im Verzug festgestellt wurde, musste das Nest umgehend entfernt werden!
 
Bei Bienen und Hummeln gibt es die wenigsten Mißverständnisse. Jeder weiß, dass diese Tiere die Blütenpflanzen bestäuben und die Bienen außerdem den begehrten Honig liefern. Die Bestäubungsdienste der Hummeln übertreffen in vielen Fällen sogar die Leistungen der Bienen. Außerdem fliegen einige Hummelarten länger am Tage und auch bei erheblich ungünstigerem und kälterem Wetter als die Bienen. Aber auch die Wespen und die Hornissen haben ihre ökologische Planstelle. Sie sind hervorragende Insektenjäger und vertilgen vor allem Fliegen, Spinnen, Raupen und andere Insekten. Außerdem ernähren sie sich von organischen Abfällen aller Art und verhindern dadurch die Ausbreitung von Schimmelpilzen und Krankheitserregern. Auch bestimmte Pflanzen sind extrem Abhängig von den gelbschwarzen Insekten. Damit leisten unsere Wespen und Hornissen einen wesentlichen Beitrag zur Ausgewogenheit unseres Naturhaushaltes. Jeder Ausfall oder Dezimierung einer Wespenart führt letztendlich dazu, daß das ökologische Netz unserer Natur immer löchriger und brüchiger wird. Eine generelle und undifferenzierte Bekämpfung von allem, was nach "Wespe" aussieht, ist daher völlig unangebracht und zudem ein Verstoß gegen geltende Naturschutzbestimmungen. 
 
 
Gesetzliche Grundlagen
 
Nach dem Bundesnaturschutzgesetz §20 d ist es verboten, wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder gar zu töten. Darüber hinaus regelt der §20f die Schutzvorschriften für besonders geschützte Tier- und Pflanzenarten. Danach ist es verboten, wildlebenden Tieren der besonders geschützen Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen, zu töten oder ihre Nist-, Brut-, Wohn-, und Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Was sind nun "besonders geschützte Arten" oder was heißt "lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu verletzen oder zu töten"? Grundsätzlich gelten alle Bienen-, Hummeln-, Hornissen-, und einige seltene Wespenarten wie die "Kurzflügelige Kreiselwespe" und die "Weißdorn-Keulhornblattwespe" als besonders geschützte Arten nach dem Bundesartenschutzgesetz und sind zum Teil bereits vom Aussterben bedroht (Rote Liste). Wespen halten sich in der Regel vom Menschen fern und werden nur aggressiv, wenn ihr unmittelbarer Lebens- und Wohnraum bedroht wird. Anders die Deutsche und Gemeine Wespe, sie kann besonders in den Hoch- und Spätsommermonaten an der sonntäglichen Kaffeetafel und an den Abfallkörben sehr lästig werden. Die Frage ist jedoch, ob die gelegentliche Lästigkeit einer bestimmten Insektenart bereits dazu ermächtigt, die Tiere zu töten. Nach der Auffassung des Naturschutzbundes mit Sicherheit nicht. Nur wenn aufgrund der Lage eines Bienenschwarmes, Wespen-, Hummel- oder Hornissennestes eine unmittelbare Gefahr für den Menschen oder die "Öffentliche Sicherheit und Ordnung" besteht ist ein Beseitigen der Tiere erlaubt!
 
 
Sinnvolle Tipps für den Umgang mit Wespen
 
Wespen, die auf Nahrungssuche sind, reagieren nicht aggressiv, im Gegenteil, sie sind sehr scheu, ja ängstlich und weichen bei Abwehr zurück. Erst wenn das Insekt um sein Leben fürchten muß, wehrt es sich mit seinem Stachel. Panik ist daher oft der erste Schritt in Richtung Stich. Nicht nach Wespen schlagen, sie sehen mehr als 200 Bilder/Sekunde und reagieren daher wesentlich schneller als der Mensch. Nicht aus einem Glas trinken, ohne vorher hineingeschaut zu haben. Trinkgläser mit süßen oder alkoholischen Getränken abdecken. Aus Dosen sollte man, wenn überhaupt, nur mit dem Strohhalm trinken. Wo Fallobst liegt, sollte nicht barfuß gelaufen werden. Kleine Kinder sollten im Freien nicht unkontrolliert süße Säfte trinken. Die süßen Düfte aus den Mündern der Kinder ziehen Wespen an und provozieren Stiche in den Mundbereich. Auch die wie bunte Blüten markierten Marmeladen- oder Schokoladenmünder von Kleinkindern wirken auf Wespen wie Wirtshausschilder. 
 
Wespen lernen, wo es Futter gibt. Der Frühstückstisch, auf dem Wurst, Käse und Marmelade einladend offen angeboten werden, wird zu einer festen Station auf ihren Suchflügen. Marmeladengläser sollte man also direkt nach Gebrauch schließen und die Wurst gehört wie der Käse unter eine Glocke. Wenig hilft es, Flaschen mit gärenden Säften als Wespenfallen aufzuhängen, nicht nur, daß die Tiere hier qualvoll sterben, diese Düfte ziehen nur immer wieder neue Wespen an, die suchend umherfliegen. Ein bewährtes Abwehrmittel ist Nelkenöl, weiches in Duftkombinationen angeboten wird, die auf Terrasse und Balkon die Wespenplage mindern helfen. In Glascontainer sollten nur ausgespülte Flaschen gegeben werden. Ebenso sollten Mülleimer, die von Wespen angeflogen werden, regelmäßig geleert werden oder mit einem wespendichten Verschluß versehen sein. 
 
Der Zugang zu einem Wespennest darf auf keinen Fall versperrt werden, da die Tiere dann besonders angriffslustig werden. Einen Weg nach draußen finden sie immer wie, egal womit sie versuchen den Nesteingang zu verschließen. Sinnvoll wäre beispielsweise den Wespen den Zugang zu Innenräumen durch geeignete Vorhänge bzw. Fliegengitter zu verwehren. Auch wenn Sie ein Wespennest direkt vor ihrem Fenster haben, mit einem Fliegengitter aus ihrem Baumarkt sind sie kostengünstig vollkommen geschützt. Solange sie nur ein Wespennest an ihrem Haus haben und die Tiere keinen Zugang durch Decken und Wände in ihr Haus haben, besteht keine Notwendigkeit das Nest zu entfernen!
 
 
Mehr über die Wespen
 
Die größte Insektengruppe stellen die Hautflügler dar. Dazu zählen wir Ameisen, Bienen und Wespen. Die bekanntesten Bienenarten sind Hummeln und Honigbienen. Größere Vielfalt gibt es bei den Wespen. Wespenstaaten sind einjährig, im Gegensatz zu den Honigbienen, bei denen fast das ganze Volk überwintert. Bei den Wespen überwintern nur die befruchteten Königinnen, die im Frühjahr einen anderen passenden Platz für ihr Nest suchen (z.B. in hohlen Mauern, auf Dachböden oder Dachvorsprüngen). An einem Nistplatz wird zunächst aus einem papierähnlichen Material, das durch Zerkauen von Holz entsteht, ein Dach befestigt. In der Mitte dieses Daches entsteht senkrecht nach unten eine Art Stiel. Um diesen Stiel herum werden Lagen aus sechseckigen nach unten offenen Waben angelegt. Die erste Lage besteht aus etwa 10 bis 20 Waben, in die je ein Ei geklebt wird. Das Nest wird von einer Papierhülle umgeben, in der sich unten das Einflugloch befindet. 
 
Die Deutsche und Gemeine Wespe bauen meist unterirdisch angelegte Nester. Bevorzugt werden z.B. Wühlmaus- und Maulwurfsgänge in Rasen- oder Wiesenflächen besiedelt. Außer diesen beiden Arten baut nur die seltene, völlig harmlose Rote Wespe Bodennester. Vor einer eventuellen Bekämpfung sollten deshalb immer einzelne Tiere bestimmt werden, damit nicht Nester der Roten Wespe betroffen sind. Relativ kleine, frei in Gebüschen, aber auch in Häusern (Dachbalken, in Hohlräumen) hängende Nester deuten auf friedfertige Wespenvölker hin. Auch die als typische Hausbewohnerin auftretende und harmlose Sächsische Wespe baut solche Nester. Da eine Belästigung von dieser Art nicht ausgeht, können Nester selbst in Wohngebäuden meist problemlos toleriert werden. Gleiches gilt auch für die besonders auffallenden großen Nester der Hornisse, die immer in dunklen Hohlräumen (Baumhöhlen, Gebäude, Nistkasten) gebaut werden. 
 
 
Aus den gelegten Eiern schlüpfen zunächst die Larven. Diese erste Generation wird von der Königin selbst versorgt. Nach dem Verpuppen entstehen nach etwa einem Monat unfruchtbare Weibchen, die sogenannten Arbeiterinnen. Von nun an übernehmen die Arbeiterinnen den Nestbau und die Versorgung der Larven. Die einzige Aufgaben der Königin ist nun das Eierlegen. Im Laufe des Sommers wird das Nest erweitert. Es entstehen etwa 6 bis 10 solcher Wabenlagen, die um den Stiel herum untereinander angeordnet sind. Nach der Fertigstellung des Nestes ähnelt dieses einem unregelmäßig geformten grauen Fußball. Die Larven werden mit Fliegen oder Schmetterlingen gefüttert, auch dienen Fisch oder Fleisch als Eiweißlieferant. Im laufe des Sommers kann der Staat auf 5000 bis 6000 Individuen anwachsen. Die Arbeiterinnen sind während dieser Zeit mit der Aufzucht der Larven beschäftigt und fallen kaum auf. Zum Ende des Sommers entsteht eine Generation von fortpflanzungsfähigen Weibchen und Männchen. Es findet die Paarung statt und die Männchen sterben ab. Die befruchteten Weibchen fallen in den Winterschlaf. 
 
Zum Herbst gibt es keine weiteren Larven mehr und die Arbeiterinnen haben keine Arbeit mehr im Nest. Dann machen sich die Arbeiterinnen bemerkbar auf der Suche nach süßen Sachen (Bäckereien, Obstläden, Kaffeetischen etc.). Besondere Gefahr geht dann von Getränkedosen aus, in die sich die Wespen unbemerkt hineinschmuggeln und nach dem Verschlucken zu gefährlichen Stichen in Mund- oder Rachenbereich führen können. Auch auf Aas und Abfällen sind Wespen zu finden, was zur Übertragung von Krankheiten führen kann. Wenn es kälter wird und die ersten Herbstfröste nahen, sterben die Arbeiterinnen und die alte Königin ab. Wespen greifen Menschen nicht ohne Grund an. Nur wenn das Nest gestört wird oder das Einflugloch versperrt wird, können die Wespen stechen. Außerhalb des Nestes stechen sie nur, wenn sie gequetscht werden, z.B. beim Einklemmen unter Kleidungsstücken oder beim Darauftreten. Wespenstiche können aber für Personen gefährlich werden, die allergisch auf solche Stiche reagieren. Bei nichtallergischen Personen reicht es in der Regel aus, das Gift zu entfernen und gegen die Schwellung eine Antihistaminsalbe aufzutragen. 
 
 
Mehr über die Hornissen
 
Zu den Wespen zählen auch die Hornissen, die die größte Spezies dieser Art darstellt. Das Leben der Hornissen ist dem der Wespen sehr ähnlich. Sie sind ebenfalls ein einjähriger Staat. Die Entwicklung ist die gleiche wie bei den Wespen beschrieben. Außerhalb des Nestes angetroffene Tiere weichen Bedrohungen durch Flucht aus. Im Gegensatz zu Wespen fliegen Hornissen bei der Nahrungssuche keine Menschen an. Hornissen sind also nicht wie die Wespen an Kaffeetischen oder Limonadenflaschen anzutreffen. Hornissen können ebenso wie Wespen stechen, wenn man sich im Einflugbereich des Nestes aufhält. Erzählungen, dass durch Hornissenstiche Menschen oder Pferde zu Tode gekommen seien, gehört in den Bereich der Märchen. Untersuchungen haben ergeben, dass Giftinjektionen von Hornissen nicht gefährlicher sind als die von Bienen, Wespen oder Hummeln. Für Allergiker gilt das gleiche wie bei Wespenstichen. Die unbegründete Angst vor Hornissen hat ebenso wie das Fehlen geeigneter Nistmöglichkeiten dazu geführt, dass Hornissen als geschützte Art in die Bundesartenschutzverordnung aufgenommen werden musste. 
 
 
Mehr über die Bienen
 
Von den Bienen ist die Honigbiene neben den Hummeln ein staatenbildender Vertreter. Die Honigbienen legen Vorräte an und können überwintern; sie sind also nicht wie Wespen einjährig. Bienenvölker können 10.000 bis 20.000 Individuen umfassen und bestehen aus Königin, Arbeiterinnen und den Drohnen (Männchen). Die Mehrzahl der Bienenvölker leben in Bienenstöcken. Wild lebende Bienen findet man in hohlen Baumstämmen oder Mauern. Zum Entstehen von neuen Völkern kommt es, wenn eine neue Königin geboren wird, dann verläßt die alte Königin mit einigen Arbeiterinnen und Drohnen den Bienenstock und sucht einen geeigneten Platz für ein neues Nest. Diesen Vorgang nennt man schwärmen. Zu diesem Zeitpunkt können Völker, die nicht vom Imker eingefangen werden, verwildern. Steht man in der Einflugrichtung des Nestes, sind Bienen wesentlich angriffslustiger als Wespen. Bei den Stichen gilt das gleiche wie bei Wespenstichen. Mehr Infos unter: www.news.immowelt.de
 
 
Mehr über die Hummeln
 
Hummeln sind auch ein einjähriges Volk. Hier überwintert auch die befruchtete Königin, die im Frühjahr in Mauselöchern, Höhlen unter Steinen, Mäusekästen oder auch Isoliermatten auf dem Dachboden ein neues Nest anlegt. Im Gegensatz zu den Wespen oder Hornissen polstert die Hummel den Raum zunächst mit Pflanzenteilen aus. Dann werden aus Wachs, also ähnliches Baumaterial wie bei der Honigbiene, kleine Krüge von der Größe eines Fingerhutes geformt, in die Nahrungsvorräte und Eier abgelegt werden. Ein Staat umfaßt etwa 400 bis 500 Mitglieder. Die Entwicklung ist mit der der Wespen vergleichbar. Hummeln können stechen, was vielen Menschen unbekannt ist. Eine Hummel muss sehr stark gereizt werden, bevor sie zusticht.